Wenn Schmerzen zur Qual werden

[23.03.2006]

Schmerzen sind sinnvoll, wenn sie vor Gefahren warnen. Das Berühren einer heißen Herdplatte bewirkt in Bruchteilen einer Sekunde das reflexartige Zurückziehen der Hand und die Erkenntnis, dies zukünftig nicht noch einmal zu machen. Wenn der Schmerz keine Warnfunktion mehr besitzt sondern zur andauernden Qual wird, muss er wie eine Krankheit behandelt werden.

Die Oberärztin Evelyn Braune ist Fachärztin für Anästhesie an der Raphaelsklinik und Expertin für Schmerztherapie. Beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) informierte sie über neue Ansätze im Umgang mit chronischen Schmerzen. "Wie ein Mensch mit Schmerzen umgeht, ist auch eine Frage der Herkunft." weiß die Expertin aus praktischer Erfahrung "Während wir Mitteleuropäer Schmerz häufig als Strafe betrachten die still ertragen werden muss, leben Menschen aus südlichen Ländern diese oft im Familienverbund offen aus." Ein Unterschied, der bei Deutschen nicht selten zu Irritationen führt.

Ob Arthrose, Rheuma, oder Osteoporose, gerade im höheren Alter gibt es viele Ursachen für chronische Schmerzen. Oftmals ist nur ein funktionsfähiges Netzwerk unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen in der Lage, die Qualen so weit zu reduzieren, dass eine Teilnahme am normalen Leben wieder möglich wird. Neben dem Einsatz von Schmerzmitteln, Krankengymnastik oder der Umstellung von Lebensgewohnheiten weist die Ärztin auch auf eine mögliche Hilfe aus dem Bereich der alternativen Heilmethoden hin "Akupunktur, Akupressur und andere Verfahren können durchaus die Schmerztherapie unterstützen."

Besonders eindringlich warnt Braune vor einer Verteufelung von Morphium-Medikamenten. "Viele niedergelassene Ärzte verordnen solche Mittel nicht, obwohl sie sehr wirksam, gut verträglich und kostengünstig sind." wundert sich die Medizinerin aus der Raphaelsklinik und fügt hinzu, dass es bei der sachgerechten Anwendung als Schmerzmittel auch nicht zur gefürchteten Abhängigkeit kommen kann. Den Anwesenden gibt sie den Rat, ständig einen Zettel bei sich zu tragen, auf dem die Medikamente verzeichnet sind, die gut helfen und vertragen werden. Ebenfalls sollten hier die Mittel verzeichnet sein, die zu Übelkeit oder allergischen Reaktionen führen können.

Zum Abschluss appelliert die Ärztin an die aufmerksamen Zuhörer im Konferenzraum des ASB, selbstbewusst mit den behandelnden Ärzten umzugehen, wenn es um die Schmerztherapie geht "Sehr wichtig ist die Kontinuität der Behandlung. Wenn im Krankenhaus eine wirksame Vorgehensweise gefunden wurde, sollten die niedergelassenen Ärzte diese Medikamente auch weiterhin verschreiben."