Prof. Dr. Claus Spieker, Dieter Nonnhoff (ZiA), Jürgen Eißing und Dr. Frank Lieder (v. l.) in der Chest Pain Unit.
Die Experten informieren über die neue Chest Pain Unit.
Die Experten informieren über die neue Chest Pain Unit.
Prof. Dr. Claus Spieker, Dieter Nonnhoff (ZiA), Jürgen Eißing und Dr. Frank Lieder (v. l.) in der Chest Pain Unit.

Zeit ist Herz! Neue "Chest Pain Unit" für Herzinfarktpatienten

[20.04.2012]

„Brustschmerzen können ganz banale Ursachen haben. Es kann aber auch ein lebensbedrohender Zustand dahinterstecken“ warnt der Chefarzt der Medizinischen Klinik I der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Claus Spieker. Gemeint ist damit die weltweit häufigste Todesursache, der Herzinfarkt. Ein wichtiger Faktor beim Kampf gegen die tückische Krankheit ist die Zeit. „Es vergeht noch immer viel zu viel Zeit zwischen den ersten Symptomen und dem Beginn der Behandlung. Leider erreichen 40 bis 50 Prozent der Betroffenen nicht mehr lebend das Krankenhaus“ bestätigt der leitende Oberarzt und Kardiologe Dr. Frank Lieder und fügt hinzu: „Zeit ist Herz!“

Lieber sollte nach Meinung der Experten einmal zu oft zum Hörer gegriffen werden als zu spät. Wenn der charakteristische Schmerz in der Brust auftritt, oftmals ausstrahlend in den Arm, den Rücken, Hals oder Kiefer und die Brust sich wie eingeschnürt anfühlt, muss umgehend die Notrufnummer 112 gewählt werden, empfehlen die Mediziner. Jürgen Eißing hat schnell reagiert und bei den ersten Symptomen den Notarzt alarmiert. „Das Kardio-Netzwerk Münster, in dem die Rettungsorganisationen und die spezialisierten Kliniken kooperieren, hat sehr gut funktioniert“ berichtet Lieder. Bereits vor dem Eintreffen in der Raphaelsklinik wurden die Daten des Patienten per Funk in die zentrale interdisziplinäre Aufnahme (ZiA) übertragen, zehn Minuten nach dem Eintreffen konnte im Herzkatheterlabor die Engstelle erkannt und geöffnet werden.

Beim Herzinfarkt verstopft ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Herzkranzgefäß, der Herzmuskel wird nicht mehr mit Blut versorgt, es droht das Absterben des Muskelgewebes. Oftmals sind die Gefäße bereits vorgeschädigt, zum Beispiel durch verkalkungsbedingte Engstellen. Hat der Patient im Ernstfall rechtzeitig den Notarzt alarmiert, muss auch im Krankenhaus alles wie am Schnürchen laufen. Wurde mit einer Kontrastmitteldarstellung der Verschluss eines Herzkranzgefäßes festgestellt, kann dieser mit einem hauchdünnen Metallgeflecht, einem sogenannten „Stent“, wieder geöffnet werden. Diese Gefäßstütze wird vom Experten mit einem dünnen Katheter unter Röntgensicht in das Herzkranzgefäß eingebracht. „Nach dem Eingriff ist die Engstelle wieder geöffnet, das Blut kann ungehindert fließen“ erläutert Dr. Frank Lieder. Um einen erneuten Verschluss zu vermeiden, muss der Patient blutverdünnende Medikamente nehmen. Außerdem sollte die Lebensweise angepasst werden, gesunde Ernährung und die richtige Sportart helfen, das Infarktrisiko zu vermindern.

In der neuen Chest Pain Unit („Chest Pain“, Engl. für „Schmerzen im Brustkorb“) der Raphaelsklinik wurden alle Abläufe von der Aufnahme über die Untersuchungen bis zum Eingriff buchstäblich auf Herz und Nieren überprüft, an keiner Stelle darf es haken, wenn es um das Überleben des Patienten geht. Dass die Betroffenen in der Innenstadtklinik bestens aufgehoben sind, hat jetzt auch die unabhängige Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) nach einer eingehenden Prüfung mit der Verleihung ihres Siegels bestätigt.