Freuen sich auf einen erfolgreichen Palliativtag (v. l.): Andreas Mönnig, Markus Kruthaup, Simone Vogt, Marc Theisen und Gabi Senge.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe in der Palliativversorgung

[11.02.2016]

Pallium hießen bei den alten Römern die wallenden, tuchartigen Gewänder, von diesem Wort leitet sich der Begriff Palliativ ab. „In der Palliativversorgung wird der gesamte Mensch mit all seinen Facetten betrachtet, die Zuwendung aller Beteiligten soll den Patienten wie ein schützender Mantel umgeben“, erläutert Dr. Marc Theisen, ärztlicher Leiter der Palliative Care Einheit der Raphaelsklinik.

Allzu düster ist ihm das Bild, das viele Menschen von einer Palliativstation haben. „Oft glauben die Patienten, dass sie sterben müssen, wenn sie die Station betreten“, berichtet Gabi Senge, Krankenschwester und Stationsleitung. Aber die Palliativstation ist keine Sterbestation, wie auch die Fachkrankenschwester für Pflege in der Onkologie und Palliative Care, Simone Vogt, klarstellt: „Zehn bis zwölf Tage sind die meisten Menschen bei uns, dann werden sie wieder entlassen, meist nach Hause“. In dieser Zeit werden körperliche Probleme wie Schmerzen, Fieber oder Verdauungsstörungen behandelt, psychologische Hilfen werden angeboten und bei Fragen der weiteren Versorgung in den eigenen vier Wänden oder bei den vielen Aspekten im Austausch mit den Ämtern und Kassen steht der Sozialdienst zur Seite.

Eine große Rolle spielt hierbei auch der unmittelbare Austausch mit dem Palliativnetz und der Hospizbewegung. „Wir sind diesbezüglich in Münster sehr gut aufgestellt“, sagt Theisen. Markus Kruthaup, Leiter des Sozialdienstes der Raphaelsklinik, beschreibt das Ziel seiner Arbeit zusammenfassend: „Wir wollen in erster Linie erreichen, dass der Patient palliativ gestärkt nach Hause geht“. Immer sind dabei auch die Angehörigen eng mit eingebunden, können bei den Patienten übernachten und werden vielfältig beraten und unterstützt. „All das ist nur möglich, wenn alle beteiligten Berufsgruppen auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Wenn der eine mit seinen Antennen etwas wahrnimmt, gibt er das an die anderen im Team weiter. Nur so funktioniert Palliativversorgung“, ist sich Dr. Marc Theisen sicher.

Palliativversorgung ist personalintensiv und somit teuer, in Zeiten chronisch leerer Kassen in den Krankenhäusern ist dies eigentlich ein Ausschlusskriterium. „Die Ausgangsposition war, dass wir uns als christliches Krankenhaus gefragt haben, ob wir unseren Patienten diese Form der Zuwendung am Ende ihres Lebens anbieten sollten. Ob sich das für uns rechnet, stand nicht im Vordergrund“, erinnert sich der Verwaltungsdirektor der Raphaelsklinik, Andreas Mönnig. Auch die spezielle Fortbildung in Palliativpflege oder onkologischer Pflege haben die meisten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger der Station absolviert, auch dies seien Kosten, die nicht von den Kassen übernommen werden, erläutert Mönnig. In einzelnen Fällen wie der Anschaffung von Spezialrollstühlen, Musikanlagen oder Ventilatoren wird der „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik e. V.“ aktiv.

Am Samstag, 13. Februar, findet um 10 Uhr in der Raphaelsklinik, Loerstraße 23, erstmals der Palliativtag statt. Neben zahlreichen Experten aus allen Bereichen der Palliativversorgung werden auch der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering und der Schirmherr des Fördervereins, Jörg Adler erwartet. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, die Teilnahme ist kostenlos.

>>> Informationen zum Förderverein Palliativmedizin