Kniegelenksnahe Umstellungsosteotomie (Beinachsenkorrektur)

Zur Behandlung von Beinachsenfehlstellungen (X- und O-Beine)

Beinachsenfehlstellungen sind in der Allgemeinbevölkerung keine Seltenheit. Es handelt sich dabei vornehmlich um X- oder O- Fehlstellungen. Diese Fehlstellungen sind bei ausgeprägten Fällen auch für Laien leicht zu erkennen. Häufig stellen die entsprechenden Fehlstellungen eine Blickdiagnose dar. Patienten mit einer O-Fehlstellung haben wie berühmte Fußballprofis oft eine entsprechende Sportkarriere hinter sich. In der Praxis berichten sie auch davon, dass man bereits seit dem Jugendalter „Schweine durch die Beine treiben konnte“. Geringe Achsabweichungen hingegen können nur durch gezielte Röntgenaufnahmen festgestellt werden, bei denen eine Röntgenaufnahme des gesamten Beines im Stand (Ganzbeinstandaufnahme) angefertigt wird. Anhand dieser Röntgenaufnahme kann die Beinachse bestimmt werden, indem man eine gerade Linie durch den Hüftkopf und das Zentrum des Sprunggelenkes zieht. Man spricht von einer normalen Beinachse, wenn Beinachse durch das Kniegelenkszentrum verläuft. Bei der O-Beinfehlstellungen verläuft sie weiter auf der Innenseite, während sie bei der X-Beinfehlstellung weiter auf der Außenseite verläuft.

Abb. 1: Verlauf der Beinachse (Mikulicz-Linie) bei typischen Beinachsenfehlstellungen. Beim O-Bein (Varusfehlstellung) verläuft sie durch die Innenseite des Kniegelenkes (links; gelbe Linie), während sie beim X-Bein (Valgusfehlstellung) (rechts; rote Linie) durch die Außenseite des Kniegelenkzentrums verläuft. Auf beiden Bildern ist eine arthrosebedingte Gelenkspaltverschmälerung auf der Seite der vermehrten Belastung zu erkennen.

Obwohl viele Menschen trotz ausgeprägter O- oder X-Beine zeitlebens keine Arthrosebeschwerden des Kniegelenkes entwickeln, können Beinachsenfehlstellungen zu einer chronischen Fehlbelastung des Kniegelenkes und damit zu einer einseitigen Arthrose führen.
Bei O-Beinen (Varusfehlstellung) entwickelt sich die Arthrose mit begleitenden degenerativen Meniskusschäden auf der Innenseite des Kniegelenkes, während sie bei X-Beinen (Valgusfehlstellung) auf der Außenseite entsteht. Durch eine Korrektur der Beinachse wird der betroffene Gelenkabschnitt entlastet, wodurch ein Fortschreiten der Arthrose verhindert und sogar eine Regeneration des Knorpels gefördert wird. Somit bleibt den betroffenen Patienten eine Implantation eines künstlichen Gelenkes erspart, weswegen insbesondere sportlich aktive Patienten von einer Beinachsenkorrektur profitieren.
Die Operationen werden Im Rahmen eines fünftägigen Aufenthaltes in der Klinik für Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie in der Raphaelsklinik Münster durchgeführt. Die Planung erfolgt mit entsprechenden Computerprogrammen, um die genauen Winkel der Korrektur anhand der Beinachsenaufnahme zu bestimmen. Auch die exakte Lokalisation der Fehlstellung am Ober- oder Unterschenkel wird anhand der Ganzbeinaufnahme vermessen.
Der Begriff Osteotomie bedeutet letztlich, dass ein Knochen durchsägt wird, um eine Fehlstellung zu korrigieren. Grundsätzlich erfolgt die Korrektur von O-Beinen im Bereich des Schienbeinkopfes. Über einen Hautschnitt unterhalb des Kniegelenkes wird der Schienbeinkopf dargestellt. Unter Röntgenkontrolle erfolgt dann ein gezielter Sägeschnitt durch den Schienbeinkopf hindurch. Dann wird der Schienbeinkopf um den entsprechenden Korrekturwinkel aufgespreizt und anschließend mit einer Metallplatte verschraubt. Im Bereich des Oberschenkels erfolgt bei der X-Beinfehlstellung die Entnahme eines Knochenkeils auf der Innenseite Oberhalb des Kniegelenkes. Der Oberschenkelknochen wird anschließend um den entsprechenden Korrekturwinkel  „zugeklappt“ und ebenfalls mit einer Metallplatte verschraubt.

 Abb. 2: Postoperative a. p. Röntgenaufnahmen nach öffnender hoher Schienbeinkopfosteotomie unterhalb des Kniegelenkes bei Gelenkverschleiß auf der Innenseite des Kniegelenkes aufgrund eines O-Beines (links) und zuklappender Osteotomie oberhalb des Kniegelenkes nach Entnahme eines Knochenkeils (rechts). Beide Varianten werden durch eine Metallplatte stabilisiert, damit der Knochen optimal verheilen kann. Der geöffnete Spalt im linken Bild wird innerhalb eines Jahres vollständig knöchern durchbaut.

Bereits am ersten Tag nach der Operation beginnen die physiotherapeutischen Anwendungen und Gehübungen an Unterarmgehstützen. In der Regel müssen die Gehstützen für vier bis sechs Wochen nach der Operation angewendet werden, um die Belastung schonend zu steigern. Arbeitsfähigkeit besteht nach einer solchen Operation je nach körperlicher Belastung nach 6 bis 12 Wochen. Die volle Sportfähigkeit erreichen die Patienten meist nach einem halben Jahr.
Im Idealfall sind die Patienten nach der Beinachsenkorrektur zeitlebens schmerzfrei und können bei erhaltenem Gelenk in vollem Umfang Ihren beruflichen und sportlichen Tätigkeiten weiter nachgehen.