Freuen sich über den neuen Wirkungskreis des Dr. Eisenbath (v. l.): Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, Nena Eisenbarth und Andreas Rimkus.
Nena Eisenbarth neben der Skulptur ihres berühmten Vorfahren.
Nena Eisenbarth im Gespräch mit dem Künstler Andreas Rimkus.
Mit schneidendem Blick verfolgt Dr. Eisenbarth sein Gegenüber.

Familienzusammenführung – Assistenzärztin trifft auf berühmten Urahnen

[19.07.2013]

Etwas grimmig schaut er vielleicht, die leicht zusammengekniffenen Augen scheinen den Betrachter beim Vorübergehen zu fixieren, mit messerscharfem Blick erkennt er jedes verborgene Übel. Sein Name ist Dr. Eisenbarth, statt mit chirurgischen Instrumenten Gutes zu tun, gehen sie ihm allerdings nur durch den Kopf. Genauer gesagt: Sie sind sein Kopf. In der Raphaelsklinik hängt ab sofort die Skulptur des berühmten Wanderarztes aus dem 17. Jahrhundert, die der renommierte Springer Künstler Andreas Rimkus aus medizinischen Gerätschaften wie Klemmen, Zangen und Zahnspiegeln zusammengesetzt hat.

Johann Andreas Eisenbarth wurde 1663 im Oberpfälzer Oberviechtach geboren und durch seine Heilerfolge als Wundarzt bekannt. Der Mediziner hatte nie einen Doktortitel erhalten, was dazu führte, dass er von vielen seiner Kollegen ausgegrenzt wurde. Dennoch genoss er aufgrund seiner medizinischen Fähigkeiten unter den damaligen Landesfürsten hohes Ansehen. In Preußen wurde er wegen seiner augenärztlichen Leistungen von Friedrich Wilhelm I. zum Hofrat und Hof-Augenarzt ernannt. Heute kennt man den umtriebigen Mediziner allerdings eher wegen des um 1800 verfassten Gassenhauers mit dem markanten Refrain „Willewillewitt bumbum“.

„Er muss gut gewesen sein, sonst würden wir heute nicht mehr über ihn reden“, meint jedenfalls Andreas Rimkus. Der Künstler und gelernte Schmied hat die 30 Kilogramm schwere Skulptur in einem sechsmonatigen Prozess erschaffen. Dafür sammelte er medizinische Geräte in Zahnarztpraxen oder Krankenhäusern und verarbeitete sie in der eindrucksvollen Skulptur. „Ziel war es für mich, einen Doktor zu kreieren, der lebendig ist. Sein Blick folgt einem“, erklärt Rimkus. Die medizinischen Geräte, zu denen unter anderem Wundhaken und Scheren gehören, hat Rimkus am Kopf des Dr. Eisenbarth platziert, ein Kopf voller medizinischer Gedanken. Zusätzlich schmiedete er ein kunstvolles eisernes Geflecht, das als wallender Bart gleichzeitig den restlichen Körper darstellt.

Auch der chirurgische Chefarzt der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, freut sich, dass die Skulptur nun gegenüber seiner Bürotür einen festen Platz gefunden hat: „Ich hatte die Skulptur immer im Kopf. Sie ist spannend und interessant – da passt einfach alles.“ Hoffmann organisierte die „Einstellung“ des berühmten Kollegen. Er kennt das Kunstwerk schon seit einiger Zeit, Rimkus ist sein Schwager.

Dr. Eisenbarth ist damit schon der zweite seiner Familie, der an der Innenstadtklinik angestellt ist. Nena Eisenbarth, eine Nachfahrin des berühmten Wanderarztes, arbeitet ebenfalls als Assistenzärztin in der Raphaelsklinik und freut sich über die Familienzusammenführung: „Dr. Eisenbarth hat seine medizinischen Instrumente zum Teil selber angefertigt, deswegen passt diese Skulptur sehr gut.“

Text: Isabel Niemann