Dr. Frank Lieder (r.) zeigt dem Patienten Hans-Jürgen Liebig, wo die drei Elektroden des Herzschrittmachers am Herzmuskel befestigt sind.

Hilfe für das schwache Herz – Hightech unterstützt den Herzmuskel

[21.11.2017]

Pro Tag schlägt das menschliche Herz rund hunderttausend Mal. So lange das Zentralorgan rund läuft und nicht ins Stolpern gerät, machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken über diese beeindruckende Leistung. So war es früher auch bei Hans-Jürgen Liebig. Eines Tages bemerkte seine Ehefrau jedoch, dass ihrem Mann die Gartenarbeit zunehmend schwerer fiel und auch das Treppensteigen nicht ohne Schweißperlen auf der Stirn zu bewältigen war.

Der Besuch beim Hausarzt brachte die Ursache schnell ans Licht, der heute 72-Jährige litt unter einer Herzschwäche. „In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen von einer Schwäche des Herzmuskels, einer sogenannten Herzinsuffizienz, betroffen“, erläutert der leitende Kardiologe der Raphaelsklinik, Dr. Frank Lieder.

Die Beschwerden nahmen zu, im Jahr 2003 erlitt Hans-Jürgen Liebig dann einen Herzinfarkt, seine Herzkranzgefäße mussten notfallmäßig mit kleinen Röhren aus Metallgewebe, sogenannten Stents, wieder geöffnet werden. Vor rund einem Jahr war es dann soweit und Liebig musste in der Uniklinik Münster am Herzen operiert werden, ein Bypass wurde gelegt und eine neue Herzklappe implantiert. Die Ärzte empfahlen dem Saerbecker bereits nach dem Eingriff die Implantation eines Gerätes, das die Herzfunktion elektrisch unterstützt und im Fall eines Kammerflimmerns das Organ mit gezielten Stromstößen wieder in Gang bringt. „Das Aggregat, das wir Herrn Liebig eingesetzt haben, ist gewissermaßen der Rolls-Royce unter den Herzschrittmachern“, berichtet Lieder und tatsächlich ist das Gerät ein kleines technisches Wunderwerk. Während ein Sensor ständig die Herzfunktion überwacht, geben zwei Elektroden für die linke und rechte Herzkammer mit jedem Herzschlag einen schwachen Impuls ab, um den Herzmuskel zu unterstützen. Sollte tatsächlich das gefürchtete Kammerflimmern auftreten, wird ein gezielter Stromstoß abgegeben, damit das Herz wieder weiterschlägt. „Bei vielen Menschen tritt dieser Fall nie ein“, sagt Dr. Frank Lieder, fügt aber hinzu: „Das ist wie beim Airbag im Auto. Ich will auch nicht, dass der auslöst, bin in dem Fall aber froh, ihn zu haben!“

Am Samstag, 25.11., findet um 11 Uhr im Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23, unter dem Titel „Das schwache Herz“ eine Vortragsveranstaltung für Interessierte und Betroffene statt. Begleitet wird die Veranstaltung von Angeboten zur Bestimmung der Risikofaktoren Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck. Es gibt Tipps zur herzgesunden Ernährung und Kontaktmöglichkeiten zu Selbsthilfegruppen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.