Eine Umleitung für mehr Lebensqualität

Ein Patient und ein Arzt stehen vor medizinischen Geräten und lächeln in die Kamera
Prof. Dr. Dirk Domagk (r.) freut sich mit Jürgen Rehorst (l.) über den erfolgreichen Eingriff.

, Clemenshospital, Münster

Clemenshospital etabliert neues endoskopisches Verfahren

Mit einem Kugelschreiber skizziert Prof. Dr. Dirk Domagk, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des Clemenshospitals, mit wenigen Strichen die Anatomie von Magen und Zwölffingerdarm auf einem Blatt Papier. „Hier, am Anfang des Zwölffingerdarms, mündet der gemeinsame Gang von Galle und Bauchspeicheldrüse in den Darm. Wenn dieser Bereich beispielsweise von einem Tumor der Bauchspeicheldrüse eingeengt ist, haben die Betroffenen sehr starke Beschwerden.“ Dieser Verlauf ist nicht selten, etwa 20 Prozent der Patienten mit einem fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsen-Karzinom entwickeln dieses sogenannte Gastric Outlet-Syndrom, das zu einem schnellen Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen führen kann.

So war es auch bei Jürgen Rehorst: Der Tumor drückte bereits so stark auf den Zwölffingerdarm, dass dieser nahezu verschlossen war. „Essen und Trinken war nicht mehr möglich, nicht mal Wasser“, berichtet Rehorst. Sein Hausarzt riet ihm dringend, einen Termin im Clemenshospital, einer Klinik des Alexianer-Verbunds, zu vereinbaren. „In solchen Fällen gibt es zwar chirurgische Möglichkeiten, die jedoch das Risiko von Komplikationen bergen. Das kostet Zeit, die der Patient nicht mehr hat“, erläutert Domagk.

Der Gastroenterologe schlug Rehorst deshalb einen anderen, deutlich schonenderen Weg vor. Mit einem speziellen Endoskop der neuesten Generation, das über einen Ultraschallkopf verfügt, konnte Domagk mittels eines röhrenförmigen Metallgeflechts, eines sogenannten Stents, eine Verbindung zwischen Magen und Dünndarm schaffen. Auf diese Weise wird die Engstelle umgangen, sodass der Mageninhalt wieder ungehindert in den Darm fließen kann. „Mit der Technik der Endosonographie können wir mittels endoskopischen Ultraschalls durch die Magenwand den dahinterliegenden, mit Wasser gefüllten Dünndarm erkennen. Das ist entscheidend für diesen Eingriff“, beschreibt Domagk einen zentralen Aspekt des Verfahrens, der in der Fachwelt als „EUS-Gastroenterostomie“ bezeichnet wird.
Unmittelbar nach dem Eingriff ging es Jürgen Rehorst zusehends besser. Der 59-Jährige konnte am Folgetag schon wieder normal essen und trinken. „Jetzt habe ich wieder die Energie, um die Chemotherapien durchführen zu lassen. Daran war vorher überhaupt nicht zu denken!“ Durch diesen Eingriff kann er zeitnah wieder seine Tumortherapie aufnehmen. Die große Erleichterung über den Eingriff, der ihn von einer langen, mehrmonatigen Leidenszeit befreit hat, ist Jürgen Rehorst anzumerken.

Prof. Dr. Dirk Domagk freut sich mit seinem Patienten über den Erfolg dieser gelungenen Premiere. Gleichzeitig bedauert er, dass die Methode selbst unter Medizinerinnen und Medizinern noch relativ unbekannt ist: „Viele Ärzte und Patienten wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt, und nehmen unnötig Schmerzen und Übelkeit in Kauf.“ Dem Chefarzt des Clemenshospitals ist es wichtig zu betonen, dass dieser Erfolg nicht allein sein Verdienst sei: „Das ist immer das Ergebnis von Teamarbeit.“ Die Tumorzentren des Clemenshospitals, der ebenfalls zu den Alexianern gehörenden Raphaelsklinik und der Fachklinik Hornheide sind in der Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs) zusammengeschlossen, um Patienten wie Jürgen Rehorst trägerübergreifend helfen zu können.